Das koreanische Alphabet Hangul: Geschichte, Aufbau und Hangul-Tag

Aktualisiert: 9. Okt.
Hangul ist das koreanische Alphabet – ein einzigartiges Schriftsystem, das im 15. Jahrhundert unter König Sejong entstand und Korea bis heute prägt.

Viele gehen fälschlicherweise davon aus, dass die koreanische Schrift, ähnlich der chinesischen, auf Schriftzeichen basiert. Doch tatsächlich ist Hangul (한글), auch Hangeul geschrieben, das koreanische Alphabet – ein phonetisches Schriftsystem mit einer erstaunlich logischen Struktur. Die einzelnen Buchstaben werden dabei zu Silbenblöcken zusammengesetzt und bilden so das koreanische Schriftbild, wie wir es heute kennen.
Hangul ist jedoch weit mehr als nur ein Schriftsystem. Seine einzigartige Geschichte und Bedeutung für Korea haben sogar dazu geführt, dass ihm ein eigener Feiertag gewidmet wurde. Warum Hangul so eng mit der koreanischen Identität verbunden ist und was am 9. Oktober gefeiert wird, erfahrt ihr weiter unten.
König Sejong und die Entstehung von Hangul

Bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts wurden in Korea hauptsächlich chinesische Schriftzeichen – Hanja – zum Schreiben verwendet. Diese passten jedoch nur bedingt zur koreanischen Sprache und waren aufgrund ihrer Komplexität für große Teile der Bevölkerung schwer zu erlernen. König Sejong der Große wollte deshalb ein einfacheres Schreibsystem schaffen, das möglichst jeder Koreaner erlernen und verwenden konnte.
Im Jahr 1443 entwickelte er das koreanische Alphabet Hangul, das speziell auf die koreanische Sprache zugeschnitten war. Weitere Gelehrte unterstützten ihn bei der Ausarbeitung und Dokumentation des neuen Schriftsystems. 1446 wurde das neue Schriftsystem schließlich offiziell veröffentlicht. Durch seinen logischen Aufbau erleichterte Hangul das Lesen und Schreiben erheblich und ermöglichte langfristig auch breiteren Bevölkerungsschichten den Zugang zur Schrift. Heute ist Hangul ein wichtiger Bestandteil der kulturellen Identität Koreas – und ihm ist sogar ein eigener Feiertag gewidmet.
Der Hangul-Tag am 9. Oktober
Im Jahr 1926 wurde eine besondere Tradition in Korea begründet: der Hangul-Tag. Der Tag wurde ins Leben gerufen, um an die Einführung von Hangul und die Bedeutung des koreanischen Alphabets zu erinnern. Dies geschah während der japanischen Kolonialherrschaft von 1910 bis 1945, als die koreanische Kultur und Sprache zunehmend unterdrückt wurden. Dadurch erhielt der Hangul-Tag eine zusätzliche Bedeutung: Er wurde zu einem Symbol für den Erhalt der koreanischen Sprache und kulturellen Identität. Auch heute erinnert der Feiertag nicht nur an die Entstehung des koreanischen Alphabets, sondern ebenso an dessen kulturelle und historische Bedeutung für Korea. Diese Zeit und den koreanischen Unabhängigkeitskampf habe ich ausführlicher in meinem Artikel über Samiljeol und die Unabhängigkeitsbewegung beschrieben.
Wie funktioniert das koreanische Alphabet?

Doch was macht Hangul so besonders und wie unterscheidet es sich von anderen Alphabeten? Einen Einblick gibt das „Hunminjeongeum“ (훈민정음), mit dem König Sejong 1446 die neue Schrift bekannt machte. Eine dazugehörige Erklärungsschrift, das Hunminjeongeum Haerye, erläutert ausführlich die Prinzipien und den Aufbau der Buchstaben.
Besonders interessant ist die Gestaltung der Konsonanten, die teilweise den menschlichen Artikulationsorganen nachempfunden sind. Ihre Grundformen orientieren sich beispielsweise an der Position von Zunge, Lippen und Mund bei der Aussprache bestimmter Laute.

Auch hinter den Vokalen steckt ein bestimmtes Prinzip: Ihre ursprünglichen Grundformen stehen für Himmel (ㆍ), Erde (ㅡ) und Mensch (ㅣ). Durch die Kombination dieser Elemente entstehen weitere Vokale.

Eine weitere Besonderheit von Hangul ist die Anordnung der Buchstaben. Anstatt sie einfach linear aneinanderzureihen, werden Konsonanten und Vokale zu Silbenblöcken zusammengesetzt. Jeder Block entspricht dabei einer Silbe.

Durch diesen systematischen Aufbau lässt sich Hangul vergleichsweise schnell erlernen. Viele Koreanischlernende können deshalb bereits nach kurzer Zeit erste koreanische Wörter lesen – auch wenn das natürlich noch nicht bedeutet, sie zu verstehen. Gerade die Verbindung zwischen Lauten, Buchstabenformen und Silbenblöcken macht Hangul zu einem besonders systematisch aufgebauten Schriftsystem.
Hangul selbst entdecken
Wer sich näher mit Korea beschäftigt, für den lohnt es sich, zumindest die Grundlagen von Hangul zu lernen. Durch den systematischen Aufbau lassen sich die Buchstaben vergleichsweise schnell einprägen und schon nach kurzer Zeit können erste koreanische Wörter gelesen werden. Das bedeutet zwar noch lange nicht, dass man sie auch versteht, erleichtert aber beispielsweise das Erkennen von Ortsnamen oder bekannten Begriffen. Wer nach Korea reist, muss natürlich nicht gleich Koreanisch lernen. Ein paar Wörter und Ausdrücke können unterwegs aber durchaus hilfreich sein. Hier findet ihr ein paar koreanische Phrasen und Reisetipps für Korea.



Kommentare